
Das Renaissancegebäude der Marktapotheke in Meißen besaß historisch ohne Zweifel schon verschiedene Ausstattungen bevor in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts an eine neue gedacht wurde, in der die durch den Meißner Dr. Christian Friedrich Samuel Hahnemann (1755-1843) begründete Homöopathie neben der Schulmedizin oder Allopathie ihren eigenen Platz erhielt. Der unmittelbare Anlass dafür könnte die 100. Jubelfeier Hahnemanns im Jahre 1855 gewesen sein. Damals wurde auch der Anger hinter dem Fleischsteg unter großer öffentlicher Beteiligung zum Hahnemannsplatz.
Das seither die Marktapotheke zierende Interieur war gediegen. Es waren eiche- bzw. kirschbaumfurnierte Möbel über eine gesamte Raumbreite von ca. 11 m. Auf Unterschränken standen quadratische Säulen auf die wiederum schwere, profilierte Kranzgesimse aufgesetzt waren. Ein Eckschrank hatte geschwungene Türen, die in Form und Oberfläche noch etwas an das Spätbarock erinnerten. Prägend für die Einrichtung waren die unendlich vielen kleinen Schieber in den zum Beispiel Pulsatilla, Bryonia oder Belladonna neben vielen anderen pharmazeutischen Produkten verstaut wurden. Ein Rezepturschrank fiel dadurch auf, dass auf ihm rechts und links Rundsäulen standen, die durch korinthische Kapitelle bekrönt waren.
Bei der Sanierung und dem Umbau des Hauses im Jahre 1988 fiel die für die Stadt wichtige Ausstattung neuen Vorschriften zur Einrichtung von Apotheken zum Opfer. Die vormaligen Eigentümer (das Gebäude selbst wurde treuhänderisch durch die Gebäudewirtschaft verwaltet) kamen der Denkmalpflege aber insoweit entgegen, dass sie einer Erfassung und Übereignung des wertvollen Inventars an die Stadt Meißen zustimmten. Fortan lagerten die Möbel in der Roten Schule, auf einem privaten Boden bzw. in einem Depot im ICM (Innovation Center Meißen). Fast 40 Jahre lang!
Es war wohl ein Befreiungsschlag für Oberbürgermeister Raschke, als er sich im Jahr 2022 der immer wieder umzulagernden Möbel erinnerte und sie dem neu gegründeten, gemeinnützigen Verein Dachverband der Hahnemannstätten e.V. zur Gestaltung ihres Informations- und Begegnungszentrums im Erdgeschoss des Gebäudes Hahnemannsplatz, Ecke Neumarkt anbot. Die Freude darüber war einerseits groß, andererseits kam damit auf den jungen Verein eine nicht unbedeutende neue Verantwortung zu, denn die Teile waren nicht nur verschmutzt und durch die vielfache Umlagerung beschädigt, sie waren generell restaurierungsbedürftig. Keiner wusste nach so vielen Jahren überdies genau, wie die Möbel einst eingebaut waren. Unterlagen des früheren Ortsdenkmalpflegers Hans-Jürgen Pohl waren handschriftlich zwar vorliegend, aber auch sie gaben nur schemenhaft die Richtung vor. Immerhin half jedoch eine schon im Jahre 2002 durch das Meißner Hahnemannzentrum auf den Weg gebrachte Erfassung in einem Grundrissplan ein Stück voran. Der Tischler und Denkmalpfleger Hans-Martin Fröhner hatte diese gefertigt. Damals schon war daran gedacht worden, den aus dem Jahr 1897 stammenden Nachfolgebau des Hahnemannschen Geburtshauses, in dem in einem langgestreckten Raum das Restaurant „Zum Hahnemann“ seinen Platz gefunden hatte, mit diesen wertvollen, sonst nirgendwo unterzubringenden Nachlass der Marktapotheke auszustatten. Doch es sollte noch eine Weile dauern, um es so auszudrücken: mindestens zwei Hochwasser lang!
Als mit Unterstützung der Stadt und der SEEG mbH Meißen, alte Trockenbauwände beseitigt und die Räume grundsaniert waren, kam im Jahr 2024 schließlich auch der Moment der Raumausstattung immer näher. Allein, die neuen Grundrisse entsprachen nicht jenen in der alten Apotheke. Das Konzept alle Möbel einfach zu übernehmen und entsprechend der alten Ordnung neu aufzustellen versagte. Bei etwas Glück schien es allerdings möglich, die Teile so zu arrangieren, dass etwa 80 Prozent des Altbestandes verblieben und noch dazu im Kontext Homöopathie und Allopathie. Lediglich die Ladentheken passten nicht in diese Planung. Schließlich und endlich entschied sich der Verein, diese Theken in einem besonderen Kabinett unterzubringen und durch gläserne Vitrinenaufsätze hochgradig zu veredeln. Nunmehr befinden sich darin Autographen und Bücher von unbeschreiblichen, ideellen Wert. Es sind nämlich darunter viele Objekte aus Hahnemanns Eigentum und von dessen eigener Hand in seine Geburtsstadt Meißen gelangt. Dass dies möglich war, ist dem Internationalen Hahnemannzentrum Torgau e.V. im Dachverband zu danken. Sigfried Letzel, der Kurator des Vereins, vermittelte diese herausragenden Zeugnisse Hahnemanns aus einem privaten Nachlass als Dauerleihgabe.
Unterdessen ist die Wiederherstellung der Marktapothekeneinrichtung in Verbindung mit anderen Maßnahmen der Raumgestaltung und technischen Ausstattung gut vorangekommen. Insbesondere sind es die beiden Tischlereibetriebe Vogel und Mauersberger, die hier engagiert tätig wurden. Anfang 2026 werden noch architektonisch wichtige Glastüren in neuen Teilungswänden eingebaut. Das dies möglich war, ist dem finanziellen Einsatz zweier Privatpersonen und der in Köln ansässigen Ernst-Wendt-Stiftung zu danken, die wiederum die Voraussetzung für das Aktivwerden des städtischen Verfügungsfonds schufen. Es besteht mit dieser genannten Hilfe schon alsbald die Chance, der Öffentlichkeit eine repräsentative Ausstellung zu präsentieren. Die Farbfassung der Räume geht dabei auf Wandmalereibefunde zurück, die vom Ende des 19. Jahrhunderts stammen und wurde durch Mitglieder des Vereins ausgeführt.
Alle geplanten Maßnahmen lassen sich vorerst noch nicht umsetzen, da sie entweder zu kostspielig oder aber unter den konkreten Bedingungen zurzeit noch nicht ausführbar sind. Auch die Landesstelle für Museumswesen des Freistaates Sachsen, die Unterstützung für möglich gehalten hat, war im Jahr 2025 leider noch nicht in der Lage, den Verein unter die Arme zu greifen. Geduld ist deshalb immer wieder angesagt. Vielleicht finden sich bei einem Objekt, wie der Neuaufstellung der alten Marktapothekeneinrichtung aber auch erneut hilfreiche Geber, um weiter voranzukommen, wenn staatliche Mittel eben fehlen.
Allen, die dem Dachverband der Hahnemannstätten e.V. bis hierher schon voran geholfen haben, darunter namentlich auch der Meißner Stadtrat, einen herzlichen Dank. Es ist schön, wenn bürgerschaftliches Miteinander dieser Stadt seinen alten Glanz zurückgibt.
Dr. Helge Landmann (Ehrenvorsitzender Meißner Hahnemannzentrum e.V., 2. Vorsitzender DVH e.V.)
