Geschichte

des Standortes „Heilig Kreuz“

vor 1200
Nach unsicheren Quellen sollen um 1199 der Meißner Markgraf Dietrich und seine Frau Jutta ein Benediktinerinnenkloster in Meißen gegründet haben. Dietrichs Schwester Adela, die 1198 von ihrem Gemahl, dem Böhmenkönig Ottokar I., schmählich verstoßen wurde, könnte in diesem mit ihren Kindern und Begleiterinnen ein zeitweiliges Obdach gefunden haben.

1200 – 1248
Ab 1202 gibt es erste profane Bautätigkeiten am Standort, die wohl der Fürstin eine Eigenfeste zu schaffen suchten. Die Einzelumstände sind gegenwärtig nicht fassbar. 1211 verstirbt Adela von Meißen. Am 14. September 1217 wird nach bischöflichen Angaben der Nonnenkonvent „aus der Notwendigkeit, [die Klostergründung] erfolgreich und tauglich zu vollenden (…) an der Elbe in ebenes Gelände“ verlegt. Teilfertiggestellte Gebäude der fürstlichen Feste wurden in diesem Zuge – wenn der Zeitpunkt stimmt – umgewidmet. 1220 stiftet Markgraf Dietrich umfangreiche Ländereien zu und stattet die darauf durch Papst Honorius III. als Zisterzienserkloster bezeichnete Anlage mit Zinsrechten aus. Am 18. Februar 1221 verstirbt der Landesherr und Schutzvogt des Klosters plötzlich. Sein Sohn Heinrich ist zu dieser Zeit gerade vier Jahre alt. 1227 verleiht Papst Gregor IX. dem Kloster Rechte, die dem großen Zisterzienserprivileg entsprechen. Der Bau der repräsentativen Kirche, die noch vor 1210 begonnen wurde, zieht sich bis nach 1240. Wie neuere archäologische Grabungen zeigen, wurde der Bau der Basilika nicht abgeschlossen. 1248 erfolgt die Exkommunizierung des Klosters wegen Nichteinhaltung der Zisterzienserregel. Fortan kommen die Nonnen als Benediktinerinnen unter die Obhut des Diözesanbischofs.

1300 – 1395
1312 Verkauf von Besitzungen wegen großer Schuldenlast. 1315 – 1317 gibt es große Hungersnot. 1383 kommt die Pest. 1395 müssen Besitzungen verkauft werden.

1420 – 1500
Hussiteneinfälle im Kloster. 1425 erhält das Schlafhaus ein neues Schieferdach, was möglicherweise auf vorangehende Zerstörungen hinweist.

1500 – 1568
Ausbesserung alter Klostergebäude unter Einfluss von Herzog Georg den Bärtigen und der von ihm unterstützten Äbtissin Priska Eisenberg. 1531 wird das alte Schlafhaus durch einen Neubau ersetzt. Um 1540 kommt es zur Sequestration des Klosters im Zuge der Reformation, es bleibt aber pappystisch“. Durch Zugänge aus Mühlberg und Holzzelle besteht der Konvent bis 1568.

1570 – 1648
Umnutzung des Klosters als Vorwerk der Landesschule Sankt Afra in Meißen. Im 30-jährigen Krieg (6. Juni 1637) hinterlassen die Schweden große Zerstörungen. Vermerkt wird der Neubau der Dächer nach den Kriegsereignissen.  

1700 – 1813
Ein Kräutergarten nach Inventar des Stadtapothekers Dr. Christoph Leuschner (1521 – 1584) wird angelegt. Militärische Planungen in Verbindung mit den Nordischen bzw. Schlesischen Kriegen. 1759 reißen preußische Truppen die Dächer nieder und bauen daraus wiederholt Schiffsbrücken über die Elbe. Backsteinmauern werden umfangreich zur Errichtung von Feldbacköfen abgetragen. Kleinholz nährt die Biwakfeuer. Bis 1764 werden die Schäden an den Wirtschaftsgebäuden durch Neu- und Umbau behoben. Mit dem Rückzug der napoleonischen Truppen im Jahr 1813 entstehen wiederum Schäden.

1776 – 1787
Untersuchung der Klostergeschichte durch Landpfarrer und Lokalhistoriker Johann Friedrich Ursinus.

1800 – 1845
Aquarelle und Federzeichnungen durch die Maler Caspar David Friedrich und Johan Christian Clausen Dahl im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts. Wohl ab 1840 Bauaufnahme in der gärtnerisch genutzten Anlage durch Dr. Ludwig Puttrich und Carl Ferdinand Sprosse. Großes Hochwasser im März 1845.

1874 – 1883
Umfangreiche Notsicherungen durch Stützpfeiler und Eckverbände. Unter Rentamtsleiter Dr. Loth wird ein bürgerlicher Flaniergarten eingerichtet. Prof. Dr. Konrad Seeliger veröffentlicht zum Abschluss umfangreicher Erhaltungsarbeiten den Aufsatz „Das Nonnenkloster zum Heiligen Kreuz bei Meißen“.

Bis 1917
Intensive gärtnerische Nutzung. Ab 1901 (1907) umfangreiche Sicherung bzw. Ausgrabung des Klausurostflügels und eines Teils der Kirche, herbeigeführt durch das Mitglied der Kommission zur Erhaltung der Kunstdenkmäler, Prof. Dr. Cornelius Gurlitt, beaufsichtigt und dokumentiert in einer wissenschaftlichen Bauaufnahme durch Dr. Fritz Rauda.   

1960 – 1992
Ära der gärtnerischen Nutzung durch die LPG Jahna-Zehren mit Abriss vom Erdgeschoss des Klausurnordflügels. Erste Erhaltungskonzepte durch Hans-Jürgen Pohl und Wolfgang Thessel ab 1986. Wegen mangelnder Rentabilität wird die Gärtnerei 1988 aufgegeben. Es folgen diverse Zwischennutzungen.

Ab 1992
Restauratorische Rahmenzielstellung für Ostflügel und Kirche durch Helge Landmann. Diese führt zu einem gemeinsamen Konzept zur baulichen und nutzungsseitigen Entwicklung des Klosterareals mit Christoph Clauß. 1994 wird das Meißner Hahnemannzentrum e.V. gegründet. Die bürgerschaftliche Initiative veranlasst umfangreiche Ordnungs-, Sicherungs- und denkmalpflegerische Wiederherstellungsmaßnahmen innerhalb des medizinischen und sozial-ökologischen Gesamtkonzeptes. Ab 2011 ist das Zentrum Erbbaurechtsträger über die gesamte Klosterkernzone und gründet im Jahr 2012 die gemeinnützige Klosterwerkstatt „Heilig Kreuz“ gUG. Die Werkstatt führt weitreichende Maßnahmen zur Abdichtung, Mauerkronensanierung und Gewölbetemperierung nach den extremen Hochwässern von 2002 bzw. 2013 aus.